Die ganze Wahrheit über die Frankfurter Buchmesse

"Ewig staunender Blick" (Spiegel-online über Naomi Fearn): Zu Besuch bei Frau Zuckerfisch
Am Sonntag war endlich Schluss mit der Frankfurter Buchmesse. Die feuilletonistische Dauerberichterstattung über drei Handvoll TV-Promis, ein paar Festmeter Bücher und das böse-böse China ist überstanden. Zeit für einen streng subjektiven Bericht von unserer mutigen Wanderung durch die Messehallen.
Schon am Frühstückstisch im Hotel Cult geht’s los. Die Hoteldirektion hat Gabriele „Die Frisur“ Krone-Schmalz engagiert, damit sie sich unauffällig unter die Gäste mischt und so für Weltstadtflair sorgt. Im Taxi zur Messe erkundigen wir uns beiläufig, wie stark dieses Jahr zur Messe die das Innenstadtbild abrundenden Bordelle aufgesucht werden. Och, murmelt der Chauffeur, für’s Ficken sitze der Euro nicht mehr so locker. Auch habe der Chinamann keine Umsatzsteigerung bewirkt. Tja, Wirtschaftskrise wohin man horcht. Nun sind wir angekommen und reihen uns devot in die gigantische Warteschlange ein. Ein Abfertigungssystem wie bei der Einreise in die USA. Nur der Iris-Scan fehlt. Endlich sind wir drin und lassen uns vom Strom der Millionen treiben. Junge, gutaussehende und hochmotivierte Verlagspraktikanten kübeln Werbemüll in die Massen, und plötzlich stehen wir am üppigen Stand der Bastei-Verlagsgruppe und bestaunen Jerry Cotton. Stilecht mit Wumme präsentiert ihn der Verlag und uns wird plötzlich klar, dass seine Messeanwesenheit vom Feuilleton unisono verschwiegen wurde. Was ist der Grund? Zensur? Wie in China? Wir ziehen weiter und gelangen an den iranischen Stand. Hier ist - totale Messeausnahme - gar nichts los. Nur ein Kind spielt mit sich selbst und ganz hinten sitzt - Folklore live - eine Kopftuchfrau und schaut müde aus. Wir schlendern an den spärlichen Regalen vorbei. Ausschließlich Kinderbücher mit lustig-bunten Illustrationen lächeln uns an. Und dann entdecken wir ein dickes Buch über Adolf Hitler. Der iranische Beitrag zur deutsch-iranischen Annäherung?
Jetzt wird's aber Zeit für einen kleinen Imbiss. Wir suchen den Fastfoodbereich in Halle 4 auf und erwerben Tempotaschentuch-weiche Laugenstangen, belegt mit Salbe (Geschmacksrichtung "Käse"), Industrieputenwurst (Farbrichtung "blass") und einem Salatblatt (Konsistenzrichtung "müde"). Tapfer essen wir alles auf, denn jede Stange hat sieben Euro gekostet. Im heimischen Grill Olympia kann man sich dafür lecker vollfuttern und betrinken - könnten wir maulen. Aber man gibt ja gern. Alsdann verweilen wir bei der eindeutig farbenfrohesten Buchpräsentation. Sie gehört einem Verlag aus Sri Lanka und wird bestens vertreten von einer freundlichen Dame namens Dilani Wijethunge. Artig verabschieden wir uns und taumeln weiter, vorbei an einem Freund von Dieter Bohlen (Wie war noch gleich sein Name?), einem Bergvagabund, der sich ins Flachland verirrt hat usw. usf. - bis wir endlich den Höhepunkt der diesjährigen Buchmesse erleben: Unsere Begegnung mit Naomi Fearn! Herzliche Grüße aus Bielefeld überbringen wir der bezaubernden Künstlerin, deren Zuckerfisch-Comics einen festen Platz haben in Ultimo, Bielefelds beliebtestem Printmedium. (Selbstverständlich präsentiert das aktuelle Ultimo-Heft einen Zuckerfisch-Beitrag zur Buchmesse) Zum Abschied beschenkt uns Naomi Fearn reich, denn sie signiert unsere Zuckerfisch-Bücher mit wunderschönen Zeichnungen.
Nun gibt es für uns keinen Grund mehr, hier weiter zu verbleiben. Doch was ist mit China? Immerhin ist das Land Ehrengast der diesjährigen Buchmesse, also ist eine Visite beim großen China-Zelt Pflicht. Und wir haben Glück: Als wir ankommen, spielt eine muntere kleine Kapelle ohne Unterlass ein Lied mit ganz vielen Strophen. Etwas fremd klingt das Lied für ostwestfälische Ohren schon, aber nach ein, zwei Stunden hat man sich dran gewöhnt. Hier können Sie mal kurz reinhören.
Bielefelder Flaneure - 2009/10/22 22:24
tiefes tiefes seufzen