New York City, wir sind da! (Sonderbericht von der Wall Street)

Die Flaneure in der Wall Street: Erstmal genau umschauen und 1a Fachliteratur studieren
Kaum sind wir angekommen, machen wir uns auf den Weg zur Wall Street. Je näher wir der verarmten Finanzmeile kommen, desto mehr häufen sich die traurigen Bilder. Wir müssen gefeuerte Finanzmanager sehen, die ihren Frust in Flaschenbier ertränken. Schöner Nebeneffekt: Dadurch unterbleiben finale Problemlösungen mittels Einsatz privater Schusswaffen. Vor der Börse herrscht ein derber Trubel. Eine seltsame Mixtur aus neugierigen Touristen und sorgenfaltigen Bänkern füllt die Straße und diskutiert und fotografiert und schaut der Weltpresse beim aufgeregten Berichten zu. Natürlich ist auch die Staatsmacht aufgefahren und führt ihre halbautomatischen Waffen spazieren. Dabei ist das alles doch gar nicht mehr nötig, denn Frau Merkel hat doch mal eben mit Links 500 Milliarden Euro locker gemacht - und damit die Finanzkrise ganz offiziell für beendet erklärt. Sollte die Finanzkrise das nicht mitbekommen haben, schiebt Frau Merkel gewiss noch weitere 500 Milliarden nach. Dochdoch, auf Frau Merkel ist Verlass. Sie führt ja jetzt auch ihre neue Erfindung ein, die (O-Ton Merkel:) "menschliche Marktwirtschaft". Wie die wohl aussieht? Fährt die Auto, trinkt Kaffee und pupst abends beim Fernsehen? Wir sind gespannt. Andere haben einen anderen Blick auf die Finanzkrise. Hier gibt es junge Frauen, die mit einer Totenmaske den starren Blick auf die Wall Street richten und dabei ein Schild in Händen halten: "GREED KILLS" (Habgier tötet) ist darauf zu lesen, und wir notieren mit Interesse, dass die Weltpresse ihre Kameras auf die Frauen richtet.
Ansonsten ist unsere Stimmung bestens, denn der Flug ab Münster/Osnabrück verlief präzise wie ein Uhrwerk, unser Hotel ist "astrein" (Spontankommentar von Lieblingsgast Henner), und das Zimmer-eigene TV hat cirka 135.000 Kanäle, so dass wir immer top informiert sind. Natürlich werden wir auch die Gelegenheit zum qualifizierten Shoppen nutzen. Erste verlockende Angebote sind uns schon ins Auge gefallen. Aber morgen früh steht erstmal unser Termin bei Yoko Ono an, damit wir unsere Fotos von der Fahrt mit dem Leichenwagen beim Dakota-Building überreichen können. Doch inzwischen ist es dunkel in NYC geworden, und der Hunger beißt uns in die Hüften - hier wird man doch auch abends irgendwo essen gehen können? Ab morgen schreiben wir endlich unsere exklusiven Flaneur-Berichte aus der mega-urbanen Gastronomie. Ist versprochen, Bielefeld! Winke-Winke über'n Ozean!!
---> New York Stock Exchange, 11 Wall Street, New York 10005
Bielefelder Flaneure - 2008/10/18 03:41