Glückstag: Nach 111 Jahren endlich Flaneur-geprüft

Lokale Gastro-Legende in vierter Generation: Die Geschwister Susanne und Thomas Bartsch
Es gibt Leute, die beeindrucken uns schon allein aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten. Zum Beispiel Lars Jauer. Steinmetzmeister, Steinbildhauermeister, staatlich geprüfter Steintechniker - enorm! Dieser supertop Fachmann hat uns seine unschätzbare Hilfe bei der Beschaffung eines Sandsteinsockels für das Ich-Denkmal angeboten. Da revanchieren wir uns natürlich gern mit einer Einladung zu einem soliden Flaneurgang inklusive Schnitzel, Bier und Kegelbahn. Natürlich haben wir hierzu eine ganz besondere Lokalität ausgewählt. Das Hotel-Restaurant Bartsch ist seit 111 Jahren eine Bielefelder Gastro-Tradition, aber - unglaublich! - bis heute noch nicht Flaneur-geprüft.
Die Traditionsschänke empfängt uns gut besucht. Links kloppt eine Herrenrunde engagiert Skat. Rechts futtert eine Damenrunde große Teller blank. Die Wirtsleute und Geschwister Susanne und Thomas Bartsch haben gut was zu tun. Wir stoßen mit kleinem Abendpils gepflegt an und lassen den Tag hoch leben, dann unterziehen wir die Speisen einer ausgedehnten Prüfung. Jägerschnitzel und Schnitzel französischer Art hat uns der Koch gezaubert, dazu schenkt er uns den notwendigen Klassiker Kleiner Salat und eine feine Terrine Bratkartoffeln. Alles ist in bester Gütestufe zubereitet und tröstet den Magen ebenso effektiv wie die Seele. "Mhmm, das war gut!" brummt der satte Bauch während bärenhafte Wohligkeit unsere Adern durchströmt. Schließlich löschen wir den Fressakt mit einem kleinen Schlussbierchen effektiv ab - und dann geht's auf-auf zum Kegeln!
Kaum haben wir die grundsolide Kegelanlage in Beschlag genommen, lassen wir es krachen. Bei jedem von uns verschmelzen Muskeln, Sehnen und Augen zu einem hocheffektiven Präzisionsorgan, mit dem wir die Kugeln ins Holz hetzen. Spontan kommt es zur Gründung des Kegelvereins "Kyrill ante portas 2008", Ehrenpräsident: unser Lieblingsgast Henner. Selbstverständlich beachten wir die Fachanweisungen, die mahnend von der Wand herabschauen, doch erst die stolzen Wimpel der anderen Vereine wecken unser ganz besonderes Interesse: Sowas wollen wir auch haben! Derweil notieren wir zufrieden, dass Wirt Thomas Bartsch auch in den Kegelkatakomben niemanden dehydrieren lässt. In zuverlässigem Rhythmus serviert er routiniert ein Tablett Frischpils nach dem anderen. Nach einigen Stunden wilden Spiels, also kurz bevor der Arzt kommt, übergeben wir den lieben Wirtsleuten mit gutem Gewissen unser brandneues Prüfsiegel Flaneur-geprüfte Kegelbahn. Dochdoch, diese Bahn können wir getrost weiterempfehlen.
Noch mehr weiterempfehlen können wir ein Gespräch mit den Geschwistern Bartsch. Ihre Wirtstube führen sie nicht nur in vierter Generation, sondern sie ist auch ihre Kinderstube gewesen. Da gibt's also einige Familiengeschichten zu erzählen. Frau Bartsch holt uns sogar eine liebe Portion Familienfotos aus der Wohnstube, und so sehen wir original Blitzlichter aus den 50er Jahren, den 60er Jahren und einen Brauereipferdbesuch aus den 70er Jahren. Ganz zum Schluss bewundern wir das ehrwürdige Kotzbecken im Männerklo. Ein erhabenes Monument traditioneller deutscher Schankstubenkultur. Was es wohl schon alles gesehen und gehört haben mag? Aber: Wollen wir das wirklich wissen? Nein, wir wollen lieber wissen, wie das liebe Hundchen heißt, das als braver Wächter auf dem Weg zur Toilette ruht. Herr Kramer heißt es, erfahren wir, und es gehört natürlich zur Familie.
---> Hotel-Restaurant Bartsch, Viktoriastraße 54, 33602 Bielefeld
Update, 18.06.2008: Flaneure prüfen die Kegelbahn - Live!
Bielefelder Flaneure - 2008/06/16 08:38