Dönerdrechslerei Düzgün

Nurten Düzgün (Chefin) & Ali Asker (bewaffnet):
Hier geht's dem Döner geschmackvoll an den Kragen
Ahhh, wir schnuppern wieder große Bahnhofsvorplatzluft! Und welche olfaktorischen Würzfähnchen wehen uns dabei quer über den schillernden Platz entgegen? Die Würz- und Lockfähnchen der Dönerdrechslerei Düzgün. Davon lassen wir uns gern in lukullische Geiselhaft nehmen und betreten zielstrebig und in lockerer Formation die großräumige Gastronomie. Lüstern betrachten wir hier das elegante Speiseangebot und können uns nicht entscheiden. Erst der kluge Rat der freundlichen Wirtin Nurten Düzgün überzeugt uns total und wir bilden spontan die Döner-Fraktion und die Haşlama-Fraktion.
Stracks begeben wir uns dann wieder hinaus auf unseren lieben Bahnhofsvorplatz, um einen der vielen Tische in Beschlag zu nehmen. Die Abendsonne hat sich uns zu Ehren wieder fein angeknipst, was könnte also schöner sein, als sich von ihrem sanften Schein lind bestrahlen zu lassen? Alle Tische sind von Schlemmerfreunden voll belegt, nur einer nicht, hier sitzt Stammgast Uwe allein und der bietet uns sogleich anstandslos an, den Tisch mit ihm zu teilen. Stammgast Uwe ist nicht nur passionierter Cola-Dosen-Leertrinker, sondern auch als Renter bewandert in allerlei. Jahrzehntelang hat der nachdenkliche Mann LKWs durch Europa gefahren, das schult den Blick. Heute noch, so weiß er zu berichten, habe er sechs Mußestunden in Osnabrück verweilt, und nicht eine (er betont dies kleine Zahlwort deutlich) nicht eine Politesse habe er dort gesehen. Aber kaum sei er wieder in Bielefeld, da fielen die blauen Dragoner über alle harmlos vor sich hinparkenden Kraftfahrzeuge her. Anlassgeber seiner Klage ist das Knöllchen, das eine Ordnungsamtsbedienstete vor unseren Augen dem soeben eingetroffenen Düzgün-Grill-Lieferanten unter die Scheibenwischerblätter seines Kleinlasters klemmt. Der fleißige Mann karrt gerade zwei Festmeter Erfrischungsgetränke in die vollbesetzte Gastronomie und hat den kommunalen Überfall noch gar nicht bemerkt. "Wo soll der Mann denn parken?!" ruft Stammgast Uwe klagend aus, und wir stimmen ihm lautlos aber teilnahmsvoll nickend zu.
Und dann setzt der Verwöhnmoment des Tages ein: Frau Nurten Düzgün bereichert unseren Tisch mit den georderten Köstlichkeiten. Auweia! Haşlama-Glück kann ja so schön sein! Lammfleisch der Variante "butterzart" mit grobsegmentierten Kartoffeln & Möhren in einem weißen Soßen-Gedicht aus Ayram mit Zauberdunst. Dazu wird ein Hügel Reis gereicht sowie ein Tennisfeld Salat plus Brotkörbe, die verlockend mit den Wimpern klimpern. Erstes Opfer: Stammgast Uwe. In Osnabrück hatte er eine niedersächsische Currywurst genossen, das sollte bis morgen reichen. War seriös durchgeplant. Aber unser brachial gedeckter Tisch lässt ihn - nach Minuten eines dramatischen Wägens & Ringens - schwach werden, so dass er notgedrungen auch eine Lage Haşlama in Auftrag geben muss. "Abends spät essen, das geht direkt in den Speck" orakelt er noch, aber dann ist die Lieferung auch schon da, und er lässt es sich nach unserem Vorbild munden. Seit einem dreiviertel Jahr sei er zwei- bis dreimal die Woche hier zu Gast, und niemals sei er enttäuscht worden. Wer solche Stammgäste hat, der muss was richtig gemacht haben.
---> Düzgün-Grill, Am Bahnhof 6, 33602 Bielefeld
Bielefelder Flaneure - 2007/08/03 15:04
Stammgast!