Thessloniki-Grill: Wo das Bethel-Eck schön würzig ist

Hakan_Yilmaz
Macht das Bethel-Eck zum Thessaloniki-Eck: Hakan Yilmaz scheut auch kein Schweinefleisch

Draußen lockt das Schaufenster mit der Frage Haben Sie schon unseren probiert? Nö, "unseren" haben wir noch nicht probiert - also nix wie rein in den Laden! Wirt Hakan Yilmaz schmeißt seinen Grill allein. Fleißig ist der Mann, flott stehen unsere kleinen Pilstulpen auf dem Tisch und alsbald haben wir die Speisen gewählt. Hier sieht alles lecker aus: Ob saftige Fleischpizza, ob üppige Dönertasche oder aber würzige Currywurst, alles sättig prächtig. Am Nebentisch prosten uns die zufriedenen Stammgäste Walter Pairam und Wolfgang Sperlich zu. Sie sind gern hier, berichten sie uns, denn hier gibt es "Spässken", betont Wolfgang Sperlich, der sich übrigens als überzeugter Hobbykoch outet. Ein Tisch weiter sitzen die nicht minder zufriedenen Stammgäste Gereon Klein und Marie-Luise Klein, die hier auch ihren Stammtisch zu schätzen wissen.

Wirt Hakan Yilmaz ist es, der für die gute Atmosphäre sorgt. 18 Jahre ist er schon selbstständiger Gastronom, vorher hat er in Istanbul gastronomisch praktiziert, am Bethel-Eck ist er seit sechs Jahren erfolgreich tätig. Hier gibt's alles, auch Schnitzel vom Schwein. Hakan Yilmaz scheut kennt keine lästigen Tabus. Und als Hakan Yilmaz uns die Rechnung präsentiert, sind wir zufrieden: Alles ist einwandfrei notiert. Klarer Fall, dass wir dem Thessloniki-Grill mit flinker Hand unser elgantes Flaneure-Logo schenken. Perfekt leuchtet es nun im Eingang des gastlichen Grills. Beim nächtlichen Abschied entdecken wir an der Außenwand des Thessaloniki-Grills einen Kaugummiautomaten, also auch für die eilige Laufkundschaft wird hier vorbildlich gesorgt: Springbälle, Center Shock, Kettchen - alles ist für kleinen Taler zu haben.

---> Thessaloniki Grill, Gadderbaumer Straße 40b, 33602 Bielefeld

Ein Mann gibt alles: Michael Holm mischt das WDR-Fest auf



Ein Mann gibt alles: Michael Holm ("Mendocino", "Dänen lügen nicht") mischt Bielefeld bis zur Raserei auf!
Sehen auch Sie unseren brillanten Live-Mitschnitt vom WDR-Fest in der Lortzingstraße - bald Holmstraße?

Unser Henner-Special: Geburtstagsparty im Ratscafe

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Wie geil ist das denn! Lisa Middelhauve schenkt Glückskind Henner ein feines Solokonzert

Hurra, unser Lieblingsgast Henner hat Geburtstag! Und schon sieht sich der gute Mann vor eine schwere Entscheidung gestellt: Arrangiere ich daheim auf der lauschigen Terrasse eine kleine Grillparty mit den Flaneuren? Oder lade ich alle Welt ein, weil mir sowieso alle Welt gratulieren will? Er entscheidet sich für die Masseneinladung und liefert uns mit dem Partyort gleich eine zu prüfende Gastronomie: Das Ratscafé - na, dann woll'n wir mal schau'n.

Als wir eintreffen haben die Wirtsleute schon gut was zu tun, doch sie verlieren ihre gute Laune nicht, wie man am Beispiel von Michael Niemann, Uwe Klunk und Roger Foerster sehen kann. Aber sie haben natürlich auch gut lachen, denn immerhin sind heute die weltbesten Gäste im Haus: Henners Geburtstagsgäste! Uns zieht es sofort auf den Balkon, denn wir liebäugeln mit deftigen Speisen und wissen: Auf dem Balkon ist der höllenheiße Grill mit einer würzigen Phalanx aus soliden Salaten in Stellung gegangen. Hier basteln wir uns hübsche Fleischarrangements - für Sie beispielhaft dokumentiert durch das Modell unseres verehrten Stahlbarons. Aber auch andere beweisen eine gute Hand: Leckerteller Michael. Absolut überflüssig zu betonen, dass dies nur Vorspeisenteller sind, denn die angenehme Länge des Abends produziert plötzliche Hungerschübe, die immer wieder bedient werden wollen. Die Damenwelt greift dezent zum charmanten Salat - in diesem Fall stellen wir Ihnen einen Teller für Christa vor.

Als traumhaften musikalischen Höhepunkt des Abends wird unser lieber Henner für immer die Lieder in Erinnerung behalten, die Lisa Middelhauve spontan am Klavier für ihn anstimmt. Immerhin war die Vollblutmusikerin acht Jahre Frontfrau der Erfolgsband Xandria - und sie hat es immer noch drauf! Henner ist ganz hin und weg, und wir mit ihm. - - - Wer hat eigentlich um fünf Minuten vor ein Uhr die soundsovielte Flasche Ramazzotti entkorkt? Wir wissen es nicht, aber wir wissen, dass sie bestens temperiert ist. Und dann stimmt der Herzog von Bochum auch noch das kernige Steigerlied an, und alle stimmen ein. Tja, so findet der schöne Abend einen weiteren musikalischen Höhepunkt, und wem haben wir das alles zu verdanken? Unserem Henner. Danke für die schöne Party!

---> Ratscafé, Niederwall 12, 33602 Bielefeld

In der Mottenkiste: Ein Pils mit Hans-Jochen Menzel

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Ein echter Wirt aus Berufung: Peter Köcher in seinem Wohnzimmer namens Mottenkiste

Aus dem Fenster schaut ein Hinweisschild nach draußen: Raucherkneipe können wir lesen, und tatsächlich empfängt uns eine gesellige Runde von Ich-rauche-gern-Aktivisten. Beim kleinen Pils mit Fürst Bismarck-Korn schart man sich um den Tresen und frönt der fröhlichen Plauderei. Enorm viele Dart-Urkunden zeugen von einem regen Vereinsleben, doch so richtig knallvoll ist es erst, wird uns erklärt, wenn die Übertragung eines Arminia-Spiels ansteht. Dann wird eine Leinwand herunter gelassen, und der Beamer verwandelt die Kneipe in einen Kinosaal. Wirt Peter Köcher ist ein alter Gastro-Hase, er weiß, was seine Gäste brauchen. Vor den fünf Jahren, die er nun schon die Mottenkiste betreut, hat er zum Beispiel die Bayernlandhalle im Safaripark Stukenbrock geleitet. Eine gelungene Liebe zum Detail entdecken wir mit Begeisterung: Ein Automat neben unserem Tisch liefert bezaubernde Geschenkartikel, die wir den Damen, die daheim auf uns warten, mitbringen können.

Gern kehrt Hans-Jochen Menzel in der Mottenkiste ein. Nach einem langen, harten Arbeitstag schmeckt ihm das Feierabendpils hier am besten. Fröhlich prostet er uns zu und schon sind wir im launigen Gespräch. Nur 250 m von hier hat er bis zum Einbruch der Dunkelheit gearbeitet. Der neue Schauraum soll bald fertig sein, um den Kunden zu präsentieren, was die Firma alles zu bieten hat. Wir sollen mal vorbei kommen, lädt er uns ein und überreicht uns seine Visitenkarte. Machen wir doch glatt. Wenn wir der Mottenkiste einen erneuten Besuch abstatten, dann schauen wir garantiert auch bei Hans-Jochen Menzel rein. Bis dahin: Viele Grüße!

---> Mottenkiste, Heeper Straße 186, 33607 Bielefeld

Flaneur-Sache: Ladies Day beim Gerry Weber Open

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Tommy Haas und Jo-Wilfried Tsonga im harten Fight: Das Gerry-Weber-Stadion fiebert mit

Als bekannt wird, dass Roger Federer seine Teilnahme am Gerry Weber Open abgesagt hat, brandet eine Woge der Bestürzung durch's Land. Nun steht für uns fest: Wir müssen uns um "das deutsche Wimbledon" (Neue Westfälische) kümmern. Und welcher Spieltag wäre da besser geeignet, als der Ladies Day!

Als wir ankommen, begrüßt uns sogleich der großartige Anblick eines bestens gelaunten Roberto Blanco. Mit seiner Lady macht er einen entspannten Bummel durch die wimmelnde Buden- und Zeltestadt rund ums Stadion. Ja, hier gibt's schon was zu sehen und zu staunen. Die Wurst- und Pommesfirma Kleinemas wirbt damit, eine "leckere Bratwurst" anzubieten. Weil wir zur Currywurst gegriffen haben, bitten wir drei besonders nette Damen um Testunterstützung. Jedes Jahr, so erfahren wir hochinteressiert, reisen sie aus Osnabrück an, um beim Gerry Weber Open eine leckere Bratwurst zu verspeisen (und wenn sie dann schon mal da sind, schauen sie sich auch das Turnier an). Die Bratwurstfachfrauen Gertrud Buschermöhle, Hannelore Wischemeyer, Hannelore Bange bestätigen uns, dass die hier angebotene Wurst von besonders guter Geschmacksqualität ist. Beruhigt geht's weiter zum Getränkestand. Die Currywurst will geschwämmt werden. Und da sind wir auch schon bei Familie Nienhüser, denen unserer ganz besonder Dank gilt. Vater, Mutter, Tochter und Nichte haben mit ihrem Biermobil extra den weiten Weg aus Melle gemacht, um uns den ganzen Tag mit leckerer Meisel's Weisse zu versorgen. Auch der sensible Transport vom Zapfhahn zum Flaneure-Tisch klappt ganz vorzüglich.

Von der Meisel-Bierbude der Familie Nienhüser haben wir einen tiptop Ausblick auf die Showbühne, wo Schmitti sein Killer-Quiz durchzieht. Auch so manches große Tier kann er hier begrüßen. Am Ende prämiert er die Damengruppe mit den ausgefallensten Hüten. Den fröhlichen Siegerinnen haben wir natürlich persönlich gratuliert. Tja, und dann ist es endlich soweit. Das, worauf der Ladies Day so lang warten musste, wird endlich Wirklichkeit: Ohne Dich schlaf' ich heut' Nacht nicht ein schallt live durch den ostwestfälischen Himmel. Die Münchener Freiheit ist da und gibt den Ladies, was die Ladies brauchen. Da bleibt kein verträumter Seufzer ungeseufzt. Und selbst uns geht der smarte Rhythmus ins Blut. Unsere Hüften beginnen extatisch zu schwingen. Liegt's am Meisel? Liegt's an der Münchener Freiheit? Wir wissen es nicht, denn wir haben uns in ostwestfälische Trance getanzt. Rückkehr frühstens in 48 Stunden.

---> Gerry-Weber-Stadion, Weststraße 16, 33790 Halle/Westfalen

Wo Bielefeld zu sich selbst findet: Unser Kesselbrink

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Glück & Glanz unserer Stadt begrüßen den Fremden stets vorbildlich am lieben Kesselbrink

Das Wahrzeichen Bielefelds ist zweifellos der eindrucksvolle Kesselbrink. Doch heute wollen wir uns der Sparrenburg zuwenden. Dieses Gebäude ist schon sehr alt, dennoch blieb es bis heute – toi, toi, toi! – von Abbruchplänen verschont. Stets ist die Sparrenburg ein besonders rühriger Ort des Bielefelder Familienlebens gewesen. Niemand weiß, wie viele Hochzeiten hier schon gefeiert wurden (Speisetafel im blauen Saal), wie viele Kinder hier gezeugt wurden (Buschwerk an den Burgmauern) und wie viele Ehestreitigkeiten hier ein jähes Ende fanden (37 m hoher Turm). Seit Jahrhunderten ist es Hauptaufgabe der Sparrenburg, dafür zu sorgen, dass die Bielefelder als Höhepunkt des Sonntagspaziergangs ein lecker’ Eis schlecken können. Das kauft man sich am Burgbüdchen und lässt dann den meditativen Eisesserblick über die Stadt gleiten. Natürlich gern in dem Bewusstsein, dass Bielefeld (Grundfläche: stolze 257,8 km²) größer ist als Paris (nur 105,4 km²). Eine Tatsache, die immer noch von einigen Parisern bezweifelt wird – quo vadis deutsch-französische Aussöhnung? An jedem letzten Aprilwochenende ist die Sparrenburg manischer Zielpunkt einer Schar von Hyperaktiven. Fluchtartig verlassen sie Detmold, verzichten dabei auf PKW oder ÖPNV und kennen nur ein Ziel: Die Sparrenburg sehen und sterben! Inzwischen gibt es dazu sogar einen Roman, Titel: Tödlicher Hermannslauf. Er hat viel Freude ausgelöst, denn Hermannsläufer sind stets fröhliche Menschen. Schelmische Sportfunktionäre hatten sich sogar den Spaß ausgedacht, das Buch verbieten zu lassen. Aber sie zogen ihre Klage wieder zurück – am 1. April. Besonders gern erinnert man sich im Burg-Restaurant an das Glanzlicht der gesamten Burgexistenz. Im April 2008 versammelten sich hier die Verehrer von Donald Duck zum Donaldisten-Kongress. Die Donaldisten-Hymne hallt noch heute im Gestühl der Burg wider und gibt Bielefeld Kraft bei den Bemühungen um eine Städtepartnerschaft mit Entenhausen.

---> Quellennachweis: Das prächtige Kesselbrink-Foto verdanken wir unserer Touristinformation, hier wird das Foto für kleines Geld als Ansichtskarte verkauft.
---> Unser Rat: Hingehen, kaufen und ganz viele Ansichtskarten in alle Welt versenden!

Großes Schnitzel-Gemetzel in der Stapenhorststraße

Muzaffer_Tolay

Zur Eröffnung der heutigen Fresssaison ordern wir eine hinlängliche Menge Pommes, und zwar als Vorspeisenteller dekoriert. Ja, so ist es recht: In allen vier Ecken soll Ketchup oder Mayo drin stecken. Schnell ist die schmackhafte Portion verputzt, so dass wir uns den Schnitzelköstlichkeiten widmen können, die Muzaffer Tolay kreiert hat. Zuerst widmen wir uns dem Rahmschnitzel, eng gefolgt vom Schnitzel Hawaii, dem das Schnitzel mit Spiegelei hart auf den Fersen folgt. Und als Abschluss dann der ewige Klassiker Zigeunerschnitzel. Puh, schnaufen wir nun vollbäuchig, das war gut. Wir können bestätigen, dass Muzaffer Tolay ein gelernter Koch sein muss. Gern betont er, dass alle Soßen hausgemacht und stets frisch zubereitet sind. Kein Wunder, dass seine Schnitzelstube seit zweieinhalb Jahren gut läuft. Die Nachbarschaft rund um die Stapenhorststraße nimmt, so stellen wir fest, die „deutsch-mediterrane Küche“ (La Casita-Eigendefinition) dankbar an.

Am Ende darf hier natürlich unser exquisites Flaneur-Graffiti nicht fehlen. Muzaffer Tolay stimmt sofort freudig zu und wir spayen mit besonders akkurater Linie. Leider haben wir heute Herrn Tolays Ehefrau Ayishe Tolay nicht kennen gelernt, sie war aus wichtigen Gründen verhindert. Die gut brummende Futterkrippe als reinen Familienbetrieb zu führen, fällt im Alltag schwer. Kein Wunder also, dass wir im Fenster ein Jobangebot entdecken. Wenn sich jemand von unseren Lesern darauf bewerben will, dann aber bitte nur gelernte Leute mit ausreichender Berufserfahren – das La Casita hat einen soliden Ruf zu wahren.

---> La Casita, Stapenhorststraße 43, 33615 Bielefeld

Wo die Bratwurst auf uns wartet: Das Grillstübchen

Grillstuebchen
Nach 22 fleißigen Jahren Grillstübchen endlich Flaneur-geprüft: Doris und Rado Steharnik

Reichlich Abendverkehr rollt die Ziegelstraße hinauf und hinab. Auch wir sind Teil dieses großen PKW-Wurms und scannen mit hungrigen Adleraugen die Häuserfronten, immer auf der Suche nach einer einladenden Imbiss-Stube – und da ist auch schon eine: 20 Jahre Grill-Stübchen lesen wir begeistert und suchen sogleich einen Parkplatz für unser Automobil.

Die Wirtsleute Doris und Rado Steharnik begrüßen uns freundlich. Versiert wickeln sie unsere Grillwünsche ab und ruckzuck steht ein grundgütiges Abendmahl vor uns: die liebe Currywurst mit Pommes Schranke, ein satter halber Brathahn und die verspielte Bratwurst spezial . Schnell stellen wir fest: Hier geht alles mit lukullisch rechten Dingen zu. Gut gelaunt stoßen wir mit bestens temperiertem Flaschenbier an, weil wir wissen: wir haben das gute Herz der Ziegelstraße entdeckt.

Doch leider müssen uns die freundlichen Wirtsleute von Sorgen berichten. Ja, früher, als sie vor 22 Jahren mit ihrer Grillstube starteten, da war die Welt rund um die Ziegelstraße 45 noch voll von Leckermäulchen, die regelmäßig bei ihnen einkehrten. Doch nach und nach verschwanden umliegende Fabriken wie die Schraubenfirma Dresselhaus und mit ihnen verschwanden natürlich auch die zahlreichen Mittagspausenesser. Inzwischen leben, so erfahren wir weiter, zahlreiche Nachbarn von Hartz IV, da sitzt der Euro für eine leckere Bratwurst nicht mehr so locker. Und jüngst stahlen Halteverbotsschilder und eine neue Bushaltestelle den durchfahrenden PKW die Parkmöglichkeiten, so dass nun auch durchfahrende Gäste ausbleiben. Bei aller Sorge haben sich Doris und Rado Steharnik ein gutes Herz bewahrt. Wir jedenfalls wurden gastlich aufgenommen und haben uns wohl gefühlt. So geht es Ihnen sicher auch, wenn sie dort demnächst auf eine gaumenfreundliche Bratwurst einkehren.

---> Grill-Stübchen, Ziegelstraße 45, 33609 Bielefeld

Unsere Innenstadttierchen und ihre wirksame Hege

Futterstelle
Tierschutz konkret: Eine der vielen innerstädtischen Futterstellen für Tauben und Ratten

Wie kaum eine andere Stadt liebt Bielefeld seine urbane Fauna. Auf Platz eins der Beliebtheits-Skala unserer frei lebenden Innenstadttierchen finden wir die possierlichen Wanderratten. Diese agilen Tiere klettern, schwimmen und tauchen hervorragend, und inzwischen kommen auf einen tierlieben Bielefelder vier hochgradig vermehrungspotente Ratten. Fachleute machen uns Hoffnung, dass die Bielefelder Rattenpopulation noch 2009 die Zwei-Millionen-Marke geknackt haben wird. (Guinness-Buch der Rekorde?) Bevorzugte Lebensräume sind der Siegfriedplatz (Wochenmarkt), das neue Bahnhofsviertel (Döner) sowie natürlich die Kinosäle („Ratatouille“, „Mäusejagd“). Fürsorgliche Bielefelder kümmern sich um eine angemessene Ernährung der drolligen Nager, indem sie in der Innenstadt ernährungsphysiologisch wertvolle Pizza- und Dönerreste hinterlassen. Nur so bleiben den lieben Tierchen tragische Mangelerscheinungen erspart.

Allerdings picken von diesen Rattenmahlzeiten auch unsere nicht minder beliebten Stadttauben ihre kleinen Portionen weg. Immerhin produziert eine Taube pro Jahr gut und gerne 15 Kilo Nasskot, da muss halt ständig was nachgepickt werden. Ein als Sauerland-Karl stadtbekannter Tierfreund sorgt in kreativer Weise für die Gesundheit unserer gefiederten Freunde. Zu Anfang eines jeden Quartals durchsucht er seinen umfangreichen Medikamentenschrank akribisch nach Pillen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Auf diese Weise stellt er ein buntes Arrangement aus Antibiotika, Beta-Blockern und Antidepressiva zusammen, um es grob zerhackt und mit Vogelfutter durchmischt auf seiner Fensterbank an eine stets hungrige Taubenschar zu verfüttern. Hut ab vor dieser mustergültigen Gesundheitsprophylaxe auf hohem pharmazeutischem Niveau.

Versäumen Sie nicht unseren nächsten Bericht, wenn es womöglich heißt:
"Umweltschutz konkret – Marder erhöhen erfolgreich den Anteil des ruhenden Straßenverkehrs"

Aus allen Bielefelder Kehlen: Ein dreifach' Hurra! Ein hundertfach' Vivat!

HansTraxler

... falls es jemanden geben sollte, der nicht weiß, wer heute Geburtstag hat: Hans Traxler ist der Vater des Ich-Denkmals, was auch nach Bielefeld gehört

Penisvergrößerung, Pussy to go, Ehehygiene für alle

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Zu Recht stolz: Inhaber Jörg Noack und Verkäuferin Marion Ellermeier sind Flaneur-geprüft

Wie arm wäre Bielefeld ohne Jörg Noacks Versorgungszentrum für Ehehygiene! Sidestep ist der Name des erotischen Megastores in der August-Bebel-Straße, der wirklich jedes Bedürfnis befriedigt. Von A wie Anal-Qual über M wie Muttertagsgeschenk bis Z wie Zorro-Peitsche ist alles am gut sortierten Lager vorrätig. Teilzeitmitarbeiterin Kristina Grebe (Lebensmittelpunkt: Studium der Germanistik) hat soeben bei den Bremer Dildo-Königen von Fun Factory (Firmenmotto: love yourself!) einen Einführungskurs für Vibratoren absolviert. Frisch geschult steht sie nun mit ihrem Chef hinterm Tresen mit den vielen bunten Zwergen, die sich willig zur Decke recken, und weist freundlich darauf hin, dass der apfelgrüne „Patchy Paul“ über einen leistungsstarken Motor verfüge, eine ergonomisch einwandfreie Form habe und außerdem von der Zeitschrift Öko-Test mit sehr gut bewertet worden sei. Das überzeugt.

Überzeugend auch das Angebot für Cineasten. Ein kolossales DVD-Sortiment bietet neben bewährten Klassikern („Mund auf! Augen zu!“ oder „Anales Inferno“) auch verlässliche Erziehungsratgeber („Wir waren unartig! Und das sind unsere Strafen: Popo-Haue“) sowie kurzweilige Seniorenunterhaltung („Rattige Rentner“). Wer es lieber süß mag, greift gleich zu „Dicke Schokolatten“. Auf die Freunde der Belletristik warten meterweise Bücher in extrastrengem Design. „Die Herrin im Turm“ oder „Stahlruten“ lauten die verlockenden Titel. Weiter hinten entdecken wir die passenden Ruten und Augenblenden , gefertigt in stilvollem schwarzem Leder. Verzückt möchten wir eine Peitsche testen, doch Kristina Grebe lenkt unsere Blicke mit gekonntem Hüftschwung auf die neue Frühjahrskollektion in Latex – sehr schwarz, sehr knapp, sehr kess. Ja, so mögen wir den Frühling. Eilige Kunden erkennt man am Kauf einer Pussy to go. Wer mehr Zeit hat, besucht das hauseigene Multiplexkino (aktuelles Programm in Saal 3: More Slaveboys in Training). Erfreulich: Im Kino gilt die Tageskarte zu 10 Euro wirklich den ganzen Tag, d.h. man kann so oft kommen wie man Lust hat.

Niemand muss barfuß gehen, auch dafür sorgt Sidestep mit vorbildlicher Fürsorge. Ob Schuhe, ob Strümpfe - hier finden Sie alles. In der Abteilung für Herrenunterwäsche stellen wir eine Überschneidung mit der Süßwarenabteilung fest: Slips zum Vernaschen werben um den Käufer. Am Ende unseres ausgedehnten Besuches danken wir allen für die Geduld und überreichen unser Prüfsiegel Flaneur-geprüfte Ehehygiene, was Jörg Noack sofort über der Kasse aufhängt. Nun kann hier jeder Kunde unbesorgt einkaufen.

---> Sidestep, August-Bebel-Straße 88, 33602 Bielefeld

Inferno: Wo die wahre Gastfreundschaft zu Hause ist

Inferno
Fast komplettes Inferno-Team: Shahid Akhtar, Toni, Khawer Butt, Ali Khedir, Nisar Sindhu

Zu den historischen Größen der Bielefelder Gastronomie zählt zweifellos die Pizzeria Inferno. Seit 41 Jahren wohnt sie etliche Klafter tief in einem Gewölbe unter der Beckhausstraße. Wer die vielen Stufen zum Gastraum hinabsteigt, wird von einem üppigen Gemälde begrüßt, das Toni, den agilen Inferno-Wirt, mit einer typischen Inferno-Pizza präsentiert.

Enorm gefüllt empfängt uns der Gastraum, doch Wirt Toni findet schnell ein prima Tischchen für uns. Es liegt direkt neben dem Holzkohleofen und stellt damit einen super Aussichtspunkt dar. Interessiert beobachten wir, wie geschickt Pizzabäcker Khawer Butt seine Arbeit verrichtet. Ruckzuck sind die Pizzen belegt und wandern auch schon in den Steinofen. Inzwischen haben wir den Startsalat mit Käsebrot vor uns stehen, und nach angemessener Zeit stellt uns Toni den Tisch mit Pizzen voll. Wir stellen fest: Ob Pizza Vier Bahnhöfe oder Pizza Salami oder Pizza Sardellen mit Oliven - egal, es handelt sich jeweils um die eindeutig größte Pizza, die wir je serviert bekamen.

Im Plaudergespräch mit dem herzensguten Toni lassen wir uns ausführlich von den 41 Inferno-Jahren berichten. Toni selbst ist schon fast 30 Jahre dabei. Einst hat er hier als Kellner mit der Arbeit begonnen, heute ist er die gute Inferno-Seele, ohne die der Laden nicht mehr denkbar ist. Das beweisen auch die vielen Gästebücher, die uns Toni nicht ohne Stolz vorzeigt. Heerscharen von Gästen haben hier ihre Dankbarkeit eingetragen und loben dabei Toni und sein freundliches Team. Natürlich haben auch wir uns im Gästebuch verewigt. Übrigens klingt die Begeisterung der zufriedenen Gäste inzwischen auch im Internet wider. Zum Abschluss lässt es sich Toni nicht nehmen, uns eine Lage Gute-Nacht-Ramazzotti zu servieren. Gern erheben wir die Gläser auf das Wohl von Tonis lieber Inferno-Stube.

---> Inferno, Beckhausstraße 22, 33611 Bielefeld

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